Sinnenwahrnehmungen des Hundes:
Sehen
Schau
mir in die Augen, Kleines!
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Bei erwachsenen
Hunden hat sich die Iris durch die Anlagerung von
Farbstoffen (Melanin) dunkel verfärbt. Je gelber
das Auge wirkt, umso mehr fetthaltige Zellen haben
sich gebildet. Denn durch das Fett verfärben
sich die Augen in Richtung Gelb. Eine starke Pigmentierung
des Auges hat zur Folge, dass die Licht-empfindlichkeit
abnimmt. Die Pigmente wirken wie eine Art Sonnenschutz.
Hunde sehen durch die relativ starke Wölbung
der Linse im mittleren Bereich am Schärfsten.
Auch ist die Linse nicht sehr elastisch und kann Bilder
nicht gut fokussieren. Hunde haben also eine geringe
Akkomodationsfähigkeit. (Akko-modationsfähigkeit
bedeutet, die Krümmung der Linse so groß
zu machen, dass das Bild wieder auf der Netzhaut entsteht.)
Der Bereich, in dem Hunde scharf sehen können,
ist daher deutlich kleiner als beim Menschen. Hunde
nehmen optische Kontraste und Bewegung am Besten wahr.
Durch die großen Linsen können auch kleinere
Mengen Licht eingefangen werden. So können Hunde
auch bei geringerer Helligkeit noch gut sehen.
Auf der Netzhaut liegen lange Stäbchen und keulenförmige
Zapfen verteilt nebeneinander. Die Stäbchen sind
viel lichtempfindlicher als die Zapfen. Auch sie sorgen
für eine bessere Sicht bei schlechten Lichtverhältnissen.
Die Zapfen reagieren erst bei mehr Helligkeit, dafür
sorgen sie für eine höhere Sehschärfe.
Bei guten Lichtverhältnissen wird die Weiterleitung
der Stäbchensignale an das Gehirn unterdrückt.
Die Macula ist ein Bereicht im Auge,
in dem die Sehzellen besonders dicht nebeneinander
liegen. Die Macula erstreckt sich beim Hund, anders
als beim Menschen, über einen recht großen
Bereich im Auge – so kann der Hund auch Bewegungen
wahrnehmen, die sich in weiter Entfernung abspielen
und ist somit ideal an ein Leben als Beutegreifer
angepasst.
Neben der Macula kommt dem Tapetum lucidum
eine entscheidende Bedeutung zu. Es sorgt wie eine
Art Spiel dafür, dass einfallendes Licht reflektiert
wird. Es trifft auf die Netzhaut und wird damit verstärkt.
Jeder unserer Hunde hat ein ganz individuelles Augenleuchten.
Hunde können feinste Unterschiede in Graustufen
wahrnehmen und sind dadurch in der Lage, besonders
gut Formen zu unterscheiden. Gesichert ist auch, dass
Hunde Farben unterscheiden können. Die Töne
sind allerdings blasser, als wir Farben sehen. Hunde
können sehr gut Rot- und Blautöne unterscheiden.
Nur fehlt ihnen die Möglichkeit, Grüntöne
wahrzunehmen. So findet ein Hund einen blauen Ball
leichter im grünen Gras als einen orangefarbenen!
Wollen wir dagegen eine Nasenübung für unseren
Hund kreieren, sollte es eben genau orange-rot sein
– so können wir es gut sehen und der Hund
muss nicht mit den Augen, sondern mit der Nase suchen!
Auch ein grüner Gegenstand auf grünem Grund
ist schwierig zu erkennen.
Besonders gut nehmen unsere Hunde Bewegungen wahr
– für Beutegreifer ein wichtiges Mittel,
um potentielle Nahrung auch über weite Entfernungen
zu orten. Dies liegt daran, dass die sogenannte Flimmerfusionsfrequenz,
d.h. die Geschwindigkeit, ab der einzelne Bilder,
die hintereinander ablaufen, zu einem durchgehenden
Film verschmelzen, deutlich höher ist als bei
Menschen. Durch permanente, feinste Bewegungen der
Augen, dem Augenzittern, suchen Hunde ihre Umgebung
ab. So gut sie Bewegungen sehen können, so haben
sie Probleme, unbewegte Objekte zu erkennen. Wenn
wir bei Kommandos Sichtzeichen etablieren wollen,
so sind Bewegungen wie schnelles Winken für unsere
Hunde besser zu erkennen. So nimmt es nicht Wunder,
dass Hunde auf kleinste körperliche Regungen
unsererseits, aber auch und gerade von anderen Hunden,
reagieren.
Da die Augen von Hunden, anders als bei uns Menschen,
bei den meisten Rassen nicht frontal im Gesicht sitzen,
ist das Gesichtsfeld der Hunde größer und
ermöglicht einen recht guten Rundumblick. Dies
geht allerdings zu Lasten der Tiefenschärfe.
Denn je kleiner der Bereich, in dem sich die jeweilige
Sicht überschneidet, das binokulare Deckfeld,
desto schlechter ist die Tiefenwahrnehmung. Dies hat
zur Folge, dass kurzschnauzige Hunde, bei denen die
Augen eher frontal im Gesicht sitzen, ein besseres
räumliches Sehen aufweisen. Um dieses Manko auszugleichen,
bewegen Hunde ihren Kopf oft hin und her, um ein besseres
räumliches Bild zu erhalten.