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Postanschrift:
Laborbeaglehilfe e.V.
z. Hd. Gisela Wertich
Keilerweg 1
D - 35428 Langgöns |
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Was Hänschen nicht lernt,
...
... lernt Hans nimmermehr!
Gilt das
auch für Hunde? Viele unserer Interessentinnen
und Interessenten bevorzugen junge Hunde mit der Begründung,
dass diese schneller und besser lernen. Sie befürchten,
einem älteren Hund nichts mehr beibringen zu
können. Menschen, die einen älteren Hund
übernommen haben, wissen, dass das so nicht stimmt.
Lernen
ist auch für Hunde ein lebenslanger Prozess.
Lernen bedeutet Anpassung an die Umgebung und führt
zu Verhaltensänderungen. Wir wollen hier versuchen
zu erklären, wie Hunde lernen.
Prägung
"Prägung"
bezeichnet Lernprozesse, die in einer zeitlich begrenzten
„sensiblen“ Phase stattfinden In dieser
Zeit, die bei Hunden in der dritten Lebenswoche beginnt,
lernen sie besonders schnell und leicht. Noch kennen
sie keine Angst und gehen neugierig und unbefangen
auf Neues zu.
Für die Entwicklung des Gehirns, die nach der
16. Lebenswoche weitgehend abgeschlos-sen ist,
bedeutet das, dass Nervenzellen vernetzt werden. Einige
Nerven bilden spontan und in Folge körpereigener
Signale eine Verbindung. Andere suchen einen Muskel,
an den sie anknüpfen können. Weitere Nervenverbindungen
entstehen als Reaktion auf Signale von außen.
Je mehr Signale von außen aufgenommen werden,
desto besser werden die Zellen vernetzt.
Was
ein Hund in dieser Zeit lernt, kann nie wieder verlernt
werden!
Wie verbringen
Laborhunde die Prägephase?
Wir wissen, dass die Laborhunde
in einer sehr reizarmen Umgebung aufwachsen. Es
gibt wenig Signale von außen, der Kontakt
zu Menschen ist zwar vorhanden, aber nicht in der
Intensität, die wünschenwert wäre
und die z. B. gute Züchter sicherstellen. Auf
diese Weise bleiben Lernpotenziale der Welpen ungenutzt.
Laborhunde dürfen so gut wie nie vor dem Ende
der Prägezeit das Labor verlassen.
Klassische Konditionierung
Der russische
Physiologe und Nobelpreisträger Iwan Pawlow (1849-1936)
war der erste, der das Phänomen der klassischen
Konditionierung beschrieb. Pawlow stellte fest, dass
ein Hund nicht erst beim Anblick oder beim Geruch
von Futter, sondern bereits beim Anblick eines Futternapfes
mit vermehrtem Speichelfluss reagiert. Daraus entwickelte
er nun sein berühmtes Experiment.
Ausgangssituation:
Unkonditionierter Reiz (Futter) löst unkonditionierte
Reaktion (Speichelfluss) aus
Versuchsablauf:
dem unkonditionierten Reiz (Futter) wird ein neutraler
Reiz (in diesem Fall ein Klingel-zeichen) in
sehr enger zeitlicher Abfolge vorangestellt.
Nach einigen
Wiederholungen reagiert der Hund bereits auf das Ertönen
des Klingel-zeichens mit vermehrtem Speichelfluss,
auch, wenn das Futter danach ausbleibt.
So wird
aus einem ursprünglich neutralem Reiz (Klingelzeichen)
ein konditioniertrer Reiz, der eine konditionierte
Reaktion (Speichelfluss) auslöst.
Eine
gelernte, konditionierte Reaktion, besteht nicht auf
Dauer. Wenn der unkonditionierte Reiz über
einen längeren Zeitraum nicht folgt, wird die
konditionierte Reaktion geschwächt und irgendwann
ganz gelöscht.
Operante Konditionierung
Während
Pawlow davon ausging, dass Verbindungen zwischen Reizen
und Reaktionen gelernt werden, geht es bei der operanten
Konditionierung (nach Skinner) darum, dass Verbindungen
zwischen Reaktionen und Konsequenzen gelernt werden.
Auch diese Form des Lernens wurde im Versuch nachgewiesen.
Dazu wird
eine hungrige Ratte in einen schallisolierten Käfig
ge-sperrt. Im Käfig befindet sich eine
Lampe und ein Hebel. Die Ratte wird früher oder
später den Heben in Bewegung setzen, der ihr,
sofern das Licht an ist, den Zugang zum Futter ermöglicht.
Bei Dunkelheit
funktioniert die Methode dagegen nicht. Die Ratte
betätigt nun immer öfter den Hebel, wenn
die Lampe an ist. Sie hat aus den Konsequen-zen
ihres Verhaltens gelernt.
Das Wissen
um die operante Konditionierung kann sich jeder Hundehalter
zunutze machen. Es bedeutet, dass positive
Verstärkung dazu führt, dass ein
bestimmtes Verhal-ten öfter gezeigt wird.
Dazu bedarf es einer engen zeitlichen Folge zwischen
Verhalten und Konsequenz. Bei Hunden beträgt
der Zeitraum, in dem sie eine Konsequenz mit vorher
gezeigtem Verhalten verbinden können, gerade
mal 2 Sekunden!
Wenn nun
positive Verstärkung gewünschten Verhaltens
dazu führt, dass es öfter gezeigt wird,
bedeutet das nicht im Unkehrschluss, dass negatives
Verhalten, wenn es bestraft wird, seltener gezeigt
wird?
Obwohl das Prinzip in beide Richtungen funtioniert,
ist das Arbeiten mit Bestrafungen nicht frei von Risiken.
Es kann zu falschen Verknüpfungen kommen.
Ein Beispiel:
Auf einem Spaziergang kommen uns Kinder entgegen.
Der Hund hat sie entdeckt und beginnt zu bellen
und an der Leine zu ziehen. Mit einem Leinenruck
versuche ich, sein unerwünschtes Verhalten
zu unterbinden. Wenn ich Pech habe, verknüpft
der Hund nun den für ihn unangenehmen Leinenruck
mit der Anwesenheit der Kinder.
Die
sicherste Methode ist das Lernen mittels positiver Verstärkung
(Lob und Leckerli für gewünschtes Verhalten).
Unerwünschtes Verhalten sollte konsequent ignoriert
werden. Dabei müssen Sie allerdings darauf achten,
dass das Verhalten nicht selbstbelohnend ist. Ein Hund,
der soeben erfolgreich die Wurst vom Tisch geklaut hat,
hat nichts dabei gelernt, wenn Sie daneben standen und
sein Verhalten ignoriert haben. Hier hätten Sie
VORHER eingreifen müssen, den Hund mit einem "Nein"
von seinem Vorhaben abbringen müssen und ihn anschließend
dafür belohnen, dass er seinen ursprünglichen
Plan nicht in die Tat umgesetzt hat.
Auch
durch positive Verstärkung/Bestrafung Gelerntes
ist verlernbar. Bleibt die Beloh-nung/Strafe
dauerhaft aus, so wird auch das Lernergebnis langsam
wieder gelöscht.
Kontextlernen
Ein Hund,
der gerade etwas lernt, nimmt während des Lernens
auch Dinge wahr, die nicht zwingend zum Lernen gehören
und verknüpft sie mit der Lernsituation. Dazu
gehören räumliche Gegebenheiten, Licht,
Temperatur, Geräusche, anwesende Menschen und/oder
Tiere und vieles mehr.
Ein
Besipiel:
Sie üben mit Ihrem Hund "SITZ". Es
ist 11 Uhr vormittags, die Sonne scheint durchs
Fenster, die Übung findet auf dem Teppich zwischen
Ferneher und Couchtisch statt. Sie sind alleine
mit dem Hund, der Fernseher läuft, die Raumtemeratur
beträgt 21°. Der Hund setzt sich auf das
entsprechende Kommando, ggf. verbunden mit einem
Handzeichen. Er bekommt dafür eine Belohnung.
Erwarten Sie nun bitte nicht, dass sich der Hund
12 Stunden später bei der letzten Gassirunde
mitten in eine Pfütze setzt, wenn Sie das Kommando
geben, dass am Vormittag noch so prima funktionierte.
Es braucht sehr viele Wiederholungen unter unterschiedlichsten
Bedingungen, bis der Hund das Kommando unabhängig
von den äußeren Umständen ausführen
wird.
Zum Schluss
Lernen
funktioniert besser und nachhaltiger in entspannter
Atmosphäre. Wenn Sie merken, dass die Konzentrationsfähigkeit
Ihres Hundes nachlässt, brechen Sie die Lerneinheit
ab. Ihr Hund möchte lieber oft, dafür
aber nicht stundenlang lernen.
Eine
gute Hundeschule oder ein guter Trainer können
Ihnen helfen. Wir wünschen Ihnen viel Freude
und Erfolg beim Lernen mit Ihren Hunden!
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