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aus unserem Vermittlungsalltag
von Iris Alberts
Missverständnisse
Die Illusion, dass alle
Hunde lebenslang dort bleiben, wohin wir sie vermittelt
haben, haben wir als solche erkannt und wir bemühen
uns um einen unaufgeregten Umgang mit Umsetzern.
So nennen wir die Hunde, die zurückkommen
und für die wir - möglichst übergangslos
- ein neues Zuhause finden müssen.
Das bedeutet aber nicht,
dass wir uns damit abgefunden haben, deshalb versuchen
wir, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Das
ist leichter, wenn die Menschen, die sich vom
Hund trennen, ehrlich sind. Eine plötzlich
auftretende Allergie wird im ein oder anderen
Fall die Ursache sein, ist für einige aber
auch das Totschlag-Argument, mit dem man sich
lästige Diskussionen vom Hals halten möchte.
Schließlich können wir von niemandem
erwarten, einen Hund auf Kosten der eigenen Gesundheit
zu behalten.
Woran aber liegt es wirklich,
wenn der Hund gehen muss? Welche Erwartungen wurden
an den Hund gestellt, die er nicht erfüllt
hat oder erfüllen konnte? Wenn wir innerhalb
weniger Tage zwei Hunde zurückbekommen, die
wir selbst als ausgesprochen menschenbezogen und
freundlich kennen gelernt haben, dann gab es an
irgendeiner Stelle im Vorfeld ein Missverständnis.
Dieses Missverständnis
könnte mit dem arg strapazierten Image der
Beagle als putzige, lustige, pflegeleichte Familienhunde
zusammenhängen. Der Umstand, dass unsere
Hunde aus Versuchslaboren kommen, ist eine weitere
Steilvorlage für Fehlinterpretationen.
Wenn Presse und Fernsehen
über diese Hunde berichten, darf ein kurzer
Hinweis oder Einspieler auf das "Grauen im
Labor" nicht fehlen, das garantiert Betroffenheit
und Gän- sehaut und sorgt für gute Auflagen
und Quoten.
Man fühlt sich mitschudig
am Leid der Tiere - schließlich konsumiert
man Medikamente - und meint, man hätte etwas
gutzumachen. Am besten, indem man ein solches
Tier bei sich aufnimmt.
Es wäre wirklich interessant,
heraus-zufinden, was Menschen, deren Motivation
in erster Linie auf Mitleid beruht, von diesen
Hunden erwarten. Ich habe einen schlimmen Verdacht:
Ist es möglich, dass man sich auf ein verhuschtes,
geschundenes Wesen einstellt, dass einem den Platz
auf der Couch, die Streicheleinheiten und das
Futter mit ewiger Dankbarkeit und Anbetung bezahlt
und frei von allen Ansprüchen als loyaler
Begleiter sein Dasein an unserer Seite fristet?
Weil wir ja so großherzig waren und es "gerettet"
haben?
Mal ehrlich, fühlen
Sie sich nicht auch ein bisschen besser, wenn
Sie - statt zum Züchter zu gehen - ein Labortier
übernehmen? Dass Sie bei einem guten Züchter
das Vierfache für den Hund bezahlen, erwähnen
wir hier mal nicht, solche Überlegungen kommen
Ihnen sicher gar nicht in den Sinn.
So weit, so gut.
Und dann kommt
der Hund. Ein Wesen, dass Sie nicht kennen
und das sie nicht kennt und möglicherweise
so gar nicht Ihren Erwartungen entspricht. Es
beginnt mit der Größe und dem Gewicht.
Wie groß und wie schwer Beagle sind, ist
überall nachzulesen, auch wir machen kein
Geheimnis daraus. Beim Anblick des vom neuen Halter
großzügig bereit-gestellten Körbchens
drängt sich mitunter der Verdacht auf, man
hätte einen Yorkshire Terrier erwartet.
Statt sich dekorativ irgendwo
abzulegen, zieht der Hund es vor, zunächst
mal alle Ecken des Raumes zu markieren und nimmt
dabei keinerlei Rücksicht auf die frisch
gewaschenen Übergardinen.
Leckerlis aus der Hand
lehnt er kategorisch ab und verdreht angewidert
den Kopf. Unruhig geht er im Zimmer auf und ab.
Der neue Halter versteht die Signale und bereitet
sich auf den ersten Spaziergang vor. Das Anlegen
von Geschirr und Halsband gestaltet sich schwierig
und zeitraubend, der Hund dreht und windet sich
und möchte nicht angebunden werden. Nach
zwanzig Minuten ist es vollbracht und es kann
losgehen. -
Es könnte losgehen,
würde der Hund nicht nun alle 4 Beine mit
aller Kraftt in den Boden stemmen und sich weigern,
auch nur einen Schritt zu gehen. Der neue Halter
kennt sich aus mit Hunden und legt den Weg vom
Wohnzimmer zur Wohnungstür im gehockten Rückwärtsgang
zurück, während er beruhuhigend auf
den Hund einredet. Mit etwas Glück wird der
Hund folgen.
Kaum ist man aus der Wohnung,
erweist sich die Treppe als das nächste unlösbare
Problem. Das bockige Tier legt sich auf den Boden,
anstatt die drei Stufen zur Haustür herunterzulaufen.
Der neue Halter beschließt, den Hund die
Treppe herunterzutragen und stellt spätestens
jetzt fest, dass er keinen Yorshire Terrier auf
dem Arm hat. Das Tier ist schwer und müffelt
nach Zwinger.
Draußen angekommen
bietet sich dem neuen Halter eine gute Gelegenheit,
im Kopf schon mal den unausweichlichen Badevorgang
durchzuspielen und über Vorkehrungen nachzudenken,
um eine anschließende Renovierung des Badezimmers
zu verhindern. Er kann sich voll und ganz seinen
Überlegungen hingeben, denn der Hund will
nicht spazieren gehen. Er steht rum und beschnuppert
jeden Grashalm einzeln, ausgiebig und lange.
Eine halbe Stunde später
wird er in die Wohung zurückgetragen, wo
er sofort und mitten auf dem teuersten Teppich
sein Geschäft verrichtet. Die allgemeine
Stimmung sinkt. Die Bade-Aktion wird wegen nachlassender
Nervenkraft verschoben.
Plötzlich weiß
der Hund wieder, wofür er seine Beine hat
und beginnt, unruhig auf und ab zu traben. Dass
gerade "Tatort" läuft, interessiert
ihn nicht. Der neue Halter versucht vergebens,
das Tier zu beruhigen und zeigt ihm gefühlte
273mal seine Schlafgelegenheit.
Der Hund, der eben noch
völlig außerstande war, eine Treppenstufe
zu überwinden, wird nun sportlich und erklimmt
das Sofa, wo er schließlich schnarchend
einschläft. Der Halter schleicht auf Zehenspitzen
ins eigene Bett, um die Ruhe nicht zu gefährden.
An Schlaf ist dennoch nicht zu denken, machen
sich doch erste Zweifel an der Richtigkeit der
Entscheidung, einen Laborhund zu übernehmen,
breit. Stunden später schläft er endlich
ein. Um halb 6 am nächsten Morgen wird er
durch vehementes Kratzen an der Schlaf-zimmertür
geweckt . Er wirft sich in Turbogeschwindigkeit
in die Klamotten, denn er weiß: Der Hund
muss raus. Auf der Suche nach dem linken Schuh,
von dem er schwören könnte, dass er
gestern Abend noch exakt und akkurat neben dem
rechten stand, bekommt er plötzlich nasse
Socken und bemerkt, dass er zu langsam war. So
kann er in aller Ruhe seinen abhanden gekommenen
Schuh suchen. Er findet Ihn schließlich
eingeklemmt unter dem 2-Sitzer-Sofa und stellt
fest, dass er nicht mehr zu gebrauchen ist. Die
Suchaktion wird schwanzwedelnd von Hund begleitet,
der irritiert ist, als der Schuh in der Mülltonne
verschwindet und sich den Ort merkt.
Der entnervte Halter beschließt,
zunächst Brötchen und die Zeitung zu
kaufen. Bei der Gelegenheit kann auch prima getestet
werden, wie sich "der Hund allein zu Hause"
verhält. Er schließt die Wohnungstür
hinter sich und ist hocherfreut, keine Lautäußerungen
wahrzunehmen. Das ist ja prima, alles wird gut.
Als er kaum eine Viertel
Stunde später wieder zurückkommt, sitzt
der Hund inmitten des Inhalts des geleerten Müllteimers
und kaut genüsslich auf dem soeben ausgemusterten
linken Schuh rum. Beim Anblick des Halters zieht
er schuldbewußt ab und legt sich auf seinen
Schlafplatz, den er gestern noch hartnäckig
abgelehnt hatte.
Der Halter hat nun drei
Möglichkeiten:
A: Er
ruft bei der Laborbeaglehilfe an, berichtet, dass
er massiv unter einer plötzlich und unerwartet
aufgetretenen Allergie leide, die die Abgabe des
Hundes leider, leider unumgänglich mache,
was wirklich schlimm sei, er habe sich schon so
an das Tier gewöhnt und bittet um rasche
Abholung. Bei der Abholung des Hundes gibt er
das gesamte Hunde-Equipment incluse des Yorkshire-Terrier-Körbchens
mit, um seine Glaubwürdigkeit zu unterstreichen.
B: Er
ruft bei der Laborbeaglehilfe an und berichtet,
dass er mit der Gesamtsituation komplett überfordert
ist und aus dem Fenster springt, wenn nicht sofort
jemand kommt, der den Hund abholt, bitte bis spätestens
18 Uhr, da danach die Schuhgeschäfte geschlossen
sind und fragt an, wer denn nun die neuen Schuhe
bezahlt.
C: Er
atmet tief durch, bringt Zeitung und Brötchen
in einen müllfreien Raum, frühstückt,
räumt die Küche auf, legt dem Hund in
15 Minuten Geschirr, Halsband und Leine an, trägt
ihn die Treppe runter, steht mit ihm im Vorgarten
und sieht fasziniert zu, wie der Hund jeden Grashalm
einzeln, ausgiebig und lange beschnuppert, weil
er weiß, dass der Hund alles, was er tut,
zum ersten Mal in seinem Leben tut . Er weiß,
dass der Hund Zeit braucht, sich in seiner neuen
Situation zurechtzufinden und ist bereit, ihm
dabei zur Seite zu stehen und den Hund das Tempo
bestimmen zu lassen. Der Hund, der gerade in diesem
Moment seine ersten Schritte im Freien freiwillig
geht, entspricht nicht dem Bild, das er von ihm
hatte, bevor er ihn kennen lernen konnte, aber
er ist entschlossen, sich auf diesen Hund einzulassen,
ihn Schritt für Schritt kennen und lieben
zu lernen.
Dies ist kein Quiz und
Sie können auch nichts gewinnen - abgesehen
von Einsichten. Sollten Sie sich dennoch ohne
zu zögern für die Variante C
entschieden haben, freuen wir uns auf Ihren Anruf.
Allen anderen empfehlen wir wärmstens die
Plüschvariante des Beagles. Garantiert pflegeleicht
, nerven- und teppichschonend!