Das Wunder von Ellrich
von Iris Alberts

Nelly - nach 3 Monaten wieder
in menschlicher Gesellschaft
Ende November 2007 zog die vierjährige Nelly,
ehemalige Zuchthündin aus dem Labor, bei Familie
B. in Nordhausen (Thüringen) ein. Nelly war ein
recht scheues Tier, gewöhnte sich aber schnell
in ihrer neuen Umgebung ein. Familie B. schickte uns
Fotos
und berichtete von Nellys Fortschritten.
Am 29.
März war Frau B. mit Nelly unterwegs, als sie
von einem freilaufenden Schäferhund attackiert
wurde. Nelly geriet in Panik, befreite sich aus dem
Geschirr und lief weg. Familie B. druckte Suchplakate,
informierte alle relevanten Stellen und sorgte dafür,
dass über Nellys Entlaufen auch in der lokalen
Presse berichtet wurde. Jeder in Nordhausen und den
angrenzenden Kommunen wusste, dass Nelly vermisst
wird.
Fast täglich
gab es eine Sichtung. Herr B. machte sich stets sofort
und auf den Weg und kamm meistens zu spät. Einige
Male sah er Nelly, die jedoch sofort weglief, wenn
ihr Menschen zu nahe kamen.
In den
folgenden Wochen wechselte Nelly immer mal wieder
ihr Revier. Sie zog von einem Dorf ins nächste,
bis sie schließlich in Ellrich ankam. Weil Nelly
immer das Weite suchte, wenn man sich ihr näherte,
entschloss man sich, einen Versuch mit dem Betäubungsgewehr
zu unternehmen. Das Verfahren ist sehr riskant, denn
die Tiere fallen nicht sofort um, sondern laufen in
Panik so weit sie können. Irgendwann setzt dann
die Betäubung ein und es besteht die Gefahr des
Auskühlens, wenn das Tier nicht gefunden wird.
Die Aktion
war gut vorbereitet, Suchhunde standen bereit. Die
Suchhunde fanden die Spritze, nicht aber den Hund.
Die Hoffnung,
Nelly zurückzubekommen, sank, zumal es auch plötzlich
keine dokumentierte Sichtung mehr gab.
In Ellrich
lebt Frau G., eine sehr engagierte Tierschützerin,
die das Drama um Nelly verfolgt hatte und fest entschlossen
war, sie zurückzuholen. Wochenlang ging Frau
G. Nacht für Nacht auf die Suche. Dann richtete
sie Futterstellen ein, die jede Nacht neu bestückt
wurden. Allmählich wurden die Stellen reduziert,
bis zum Schluss nur noch eine übrig war. Frau
G. bat einen Tischler, ihr eine Lebendfalle aus Glas
zu bauen, weil sie bezweifelte, dass Nelly freiwillig
einen Käfig betreten würde. Mit einem Helfer
wurde die schwere Falle zur Futterstelle transportiert.
In der Nacht machte sich Frau G. auf den Weg, um die
Falle zu kontrollieren und fand darin Nelly, die sie
erwartungsvoll ansah. Wieder wurde der Helfer gerufen,
um Nelly in der Falle abtransportieren zu können.
Nellys
körperliche Verfassung war erstaunlich gut, sie
wog noch 11,7 kg und außer ein paar Kratzern
an den Läufen und allen erdenklichen Parasiten
hatte sie keine Verletzungen oder Krankheiten, wie
die Tierärztin Frau G. am nächsten Tag bestätigte.
Frau G. beschloss, den Hund zunächst ein bisschen
aufzupäppeln und ihn dann der Familie B. zurückzubringen.
Von der ersten Nacht an schlief Nelly bei Frau G.
im Bett. Bei Frau G. lebt auch noch ein tauber Samojede,
mit dem Nelly spontan Freundschaft schloss.
Nach einer
Woche war es dann soweit. Nelly sollte zu ihren Besitzern
zurück. Familie B. war fassungslos, als Frau
G. mit Nelly auf der Rückbank erschien. Die Anspannung
der letzten Monate wich einer grenzenlosen Freude.
Die Freude
war einseitig. Nelly kam aus dem Auto, zog sofort
die Rute ein und wandte sich hilfesuchend an Frau
G. Familie B. brachte es nicht übers Herz, den
Hund zu behalten und so fuhr Nelly wieder mit Frau
G. nach Hause.
Dort wird
sie jetzt für immer bleiben. Es war Nellys Entscheidung
und wir danken Familie B. dafür, dass sie die
Größe aufgebracht hat, diese Entscheidung
zu respektieren. Nelly bleibt in der Nähe und
sie können sie jederzeit besuchen.
Ganz besonders
danken wir Frau G. für ihren uneigennützigen
Einsatz und ihre Hartnäckig-keit. und
wünschen ihr und ihren Tieren viele schöne
gemeinsame Jahre. Frau G. wird in Zukunft gut auf
ihre gelben Säcke aufpassen müssen - die
öffnet Nelly in Bruchteilen von Sekunden.
Wir
hatten nicht mehr daran geglaubt, dass diese Geschichte
ein Happy End haben könnte. Nelly hatte einen
Schutzengel. Sie war 3 Monate unterwegs, hat das Betäubungsgewehr,
einen Ausflug auf die Autobahn und viele andere Gefahren
überstanden, von denen wir nichts wissen. Wir
sind sehr glücklich!